Unsere Tracht – Nicht Folklore sondern Teil der Lebenswirklichkeit

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Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger!
Außerhalb Bayerns (ich rede jetzt natürlich nicht von unseren Nachbarn in Tirol) wird manchmal nicht so recht verstanden, dass die Tracht hier Teil der Lebenswirklichkeit ist und nicht nur bloße Folklore.
Dabei gibt es in Deutschland auch andere Gegenden, wo die Tracht als Ausdruck von kultureller Identität ganz wichtig ist: Ich denke hier zum Beispiel an die slawische Minderheit der Sorben in Sachsen, die ihre prächtigen Trachten an Feier-, Fest- und Familientagen gerne tragen. Aber zurück nach Bayern.
Hier hat die Trachtenpflege eine lange Tradition: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es am bayerischen Hof zu einer regelrechten Trachtenbegeisterung. Von Joseph Hazzi aus Abensberg stammt die erste Beschreibung der Trachten aus den verschiedenen Landgerichten, und auch der Staat setzte sich im 19. Jahrhundert für die »Hebung des (bayerischen!) Nationalgefühls, insbesondere der Landestrachten« ein.
1883 wurde in Bayrischzell der erste »Gebirgstrachten-Erhaltungsverein« gegründet, dem viele weitere folgten. 1909 wurde der Landesverband Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine gegründet. Ein prominenter Trachtenpfleger war übrigens Prinzregent Luitpold von Bayern, der oft in der kurzen Lederhose auf die Jagd ging.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde in vielen Gegenden Bayerns nicht mehr nur die oberbayerische Gebirgstracht (v. a. die Miesbacher Tracht) gepflegt, sondern auch versucht, lokale Trachten am Leben zu erhalten (Alttracht) oder wieder zu beleben (erneuerte Tracht). Eine der schönsten Trachten ist sicherlich die »Dachauer Tracht«, die ganz früher auch im Münchner Norden getragen wurde, der zu großen Teilen zum Landgericht Dachau gehörte.
Heute hat der Bayerischen Trachtenverband etwa 180.000 Mitglieder. Ich finde es schön, dass in München auch zum Nockherberg und zum Frühlingsfest vermehrt Tracht getragen wird – zur Wiesn sowieso. Und dass sich auch viele Nichtbayern gewissermaßen verkleiden, fand ich zunächst zweifelhaft, nehme es jetzt aber als Kompliment an unsere Tracht und unsere Kultur.

Ihr Florian Post
Bundestagsabgeordneter für den Münchner Norden


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