„Wir sollten auch mal unorthodox denken“

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Raus aus der Schmollecke? Die tz sprach mit dem Münchner SPD-MdB Florian Post.

Wie stehen Sie zu Sondierungsgesprächen mit der Union?
Florian Post: Nach wie vor kann meine Partei von den 20 Prozent, die sie bei der Bundestagswahl bekommen hat, keinen Regierungsauftrag ableiten. Man kann aber schlecht den anderen vorwerfen, sie hätten keine Regierung zustande gebracht und sich selbst verweigern. Ich glaube allerdings nicht, das ein Gespräch darüber, ob man überhaupt in Sondierungen eintritt, zu neuen Erkenntnissen führen würde.

Könnte die SPD die missliche Lage der Union nicht ausnutzen und in einer Koalition viel von ihrem Programm unterbringen?
PostDas ist uns doch vor vier Jahren auch gelungen. Wir haben auch alles umgesetzt, was aber vom Wähler leider nicht honoriert wurde. Die grosse Koalition ist ganz klar abgewählt worden. Ich kann jetzt nur hoffen, das unsere Parteiführung eine durchdachte Strategie hat.

Martin Schulz hat gesagt, die SPD scheue Neuwahlen nicht.
Post: Ich stehe natürlich hinter der Parteiführung, ist doch klar. Aber noch ist uns Abgeordneten eine Strategie nicht schlüssig erklärt worden. Es wäre natürlich fatal, wenn wir mit 20,5 Prozent Gespräche über eine Koalitionsbildung ablehnen und dann mit evtl. 18 Prozent, die bei Neuwahlen auch denkbar wären, eine Kroko in Angriff nehmen müssen, weil dann alle Parteien abgestraft würden. Oder man verliert so viel, dass man dann Kenia (schwarz-rot-grün) machen muss! Hier denke ich aber, wird Martin Schulz sich der Verantwortung und des Risikos schon bewusst sein und sicher eine Strategie haben.

Wie beurteilen Sie die Möglichkeit einer Tolerierung von Schwarz-Grün durch die SPD?
Post: Das hat es noch nicht gegeben, aber es hat auch so ein vertracktes Wahlergebnis noch nicht gegeben. Man muss also durchaus auch unorthodox denken und Varianten in Betracht ziehen, die es vorher noch nicht gegeben hat. Man kann nicht alle Optionen ablehnen.

Florian Post im tz-Interview von B.Wimmer vom 22.11.2017


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